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Ich tat es gern.


Wir bemühten uns vergeblich, festzustellen, wieviel Geld dem Einbrecher in die Hände gefallen war. Es konnten mehrere tausend Mark, aber ebensogut

auch nur ein paar hundert sein. Über ihr Geld hätte die eigenbrötlerische, mißtrauische Alte mit niemand gesprochen. Und jetzt konnte sie es nicht.

Der Arzt ließ uns nicht zu ihr.
Es gab keine auswertbaren Spuren. Fingerabdrücke fehlten ganz. Der Deckel des Blechkastens war mit einem großen Messer oder starken Schraubenzieher

aufgesprengt worden; das Werkzeug hatte der Täter mitgenommen.
Der Einbruch mußte früh gegen halb sechs Uhr geschehen sein, denn der Karren war schon aus dem Hof vor die Ladentür gezogen worden, und Frau Hockunder

trug, als sie gegen acht Uhr in ihrem Hinterzimmer gefunden wurde, Jacke und Kopftuch, sie war also im Begriff gewesen, zur Zentralmarkthalle zu

fahren.
Dem Dreher Haselbreck, wohnhaft im ersten Stock, war es, als er das Haus verlassen wollte, aufgefallen, daß die Tür des Hinterzimmers offenstand. Das

war so ungewöhnlich, daß er hineinsah und Frau Hockunder regungslos am Boden liegend fand. Er hielt sie für tot und alarmierte sofort das nahe

gelegene Volkspolizeirevier.
Das war alles, was man mir und meinen beiden Mitarbeitern als Tatsachenmaterial übergeben konnte. Es war mehr als dünn.
Ich durchsuchte noch einmal gründlich den Tatort. Aber ich fand nichts, es sei denn, man wolle eine halbvolle Zigarettenschachtel mit mehreren

prägnan.

Ich beauftragte Becker, die betreffenden Unterlagen einzusehen.
Mit Lorenz machte ich mich auf die Spur des unbekannten Mannes, der, wenn nicht alles täuschte, der Täter sein konnte. Das war ein ziemlich

aussichtsloses und vor allem zeitraubendes Beginnen. Wer aus der Nachbarschaft, fragten wir uns, konnte so früh am Morgen auf der Straße gewesen sein

und etwas bemerkt haben? Das Ereignis war natürlich zum Tagesgespräch geworden, und so meldeten sich drei weitere Zeugen. Zwei waren um sechs Uhr oder

etwas später am Ende der Straße einem Mann begegnet, der sehr schnell gegangen war. Ihre Personenbeschreibung war ebenso allgemein wie die des

Mitropa-Kellners; einen Schal hatten sie nicht bemerkt. Wohl aber der dritte Zeuge, ein Straßenfeger, der in der Querstraße seine Arbeit um fünf Uhr

begonnen hatte. An ihm war der Mann gegen halb sechs langsam vorbeigegangen. Die Aussage klang phantastisch: ,,Er hat seinen Schal seitwärts an den

Kopf gehalten, weil der ganz blutig war. Das habe ich deutlich gesehen, das Blut. Ich kann’s beschwören.” Ob er sich denn darüber keine Gedanken

gemacht habe?
„Nee; ich dachte, der is besoffen und is hingefallen, da hat er sich das weggeholt. So ‘ne ramponierten Nachtbummler sieht unsereins ja öfter.” Mit

der Personenbeschreibung haperte es. „Nich sehr groß, ‘ne Mütze hatte er auf, der Anzug war, wenn ick mir richtig erinnere, dunkelblau, nich mehr

neu.” Das half uns immerhin etwas weiter; wir konnten nun einen Mann suchen, der am Kopf eine verharschte

Wunde oder zumindest Schrammen aufwies, vielleicht sogar einen Verband trug. Lorenz mußte weiter in der Nachbarschaft herumhorchen. Becker erstattete

eine aufregende Meldung: Dieter Hockunder war zwei Tage zuvor aus der Strafanstalt entlassen worden. Nun besaßen wir sein Foto, seine Fingerabdrücke,

seine Personenbeschreibung (mit dem stets enttäuschenden Vermerk: „Besondere Kennzeichen - keine”) und seinen Lebenslauf einschließlich aller früheren

Straftaten. Dieter Hockunder wurde als verschlagen, rücksichtslos und arbeitsscheu charakterisiert, als wenig intelligent, aber gerissen. Er war in

mancherlei Gelegenheitsberufen tätig gewesen, unter anderem im Zirkus als Requisiteur, auf dem Rummelplatz in einer Glücksbude, als Losverkäufer, im

Film und in der Staatsoper als Komparse und kurze Zeit als Gußputzer. Oberleutnant Becker hatte auch schon ermittelt, wo er sich aufhielt: in Köpenick

bei einer früheren Geliebten, zehn Jahre älter als er, ihm blind ergeben, mit fragwürdigem Ruf. Wir konnten uns den jungen Mann also, wenn wir über

genügend Beweismaterial verfügten, jederzeit greifen.
Doch damit war es leider schlecht bestellt. Die Fingerabdrücke auf der Zigarettenschächtel stammten einwandfrei nicht von ihm; allerdings hatten wir

auch kaum erwartet, daß dieses außerhalb des Hauses aufgelesene Fundstück etwas mit der Sache zu tun habe. Seine Geliebte, von Lorenz geschickt

befragt, verschaffte Dieter überdies ein volles Alibi: Er hatte sich zur fraglichen Zeit bei ihr in der Wohnung aufgehalten. Das konnte natürlich eine

Lüge sein, war Ausspannen wollen. Aus Daffke. Er machte Witze über mein Gesicht. Da bin ich auf ihn los, und … und … da ist es eben passiert.”



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