This entry was posted on Tuesday, March 18th, 2008 at 11:41 am and is filed under Uncategorized. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.


Ich tat es gern.
Wir bemühten uns vergeblich, festzustellen, wieviel Geld dem Einbrecher in die Hände gefallen war. Es konnten mehrere tausend Mark, aber ebensogut
auch nur ein paar hundert sein. Über ihr Geld hätte die eigenbrötlerische, mißtrauische Alte mit niemand gesprochen. Und jetzt konnte sie es nicht.
Der Arzt ließ uns nicht zu ihr.
Es gab keine auswertbaren Spuren. Fingerabdrücke fehlten ganz. Der Deckel des Blechkastens war mit einem großen Messer oder starken Schraubenzieher
aufgesprengt worden; das Werkzeug hatte der Täter mitgenommen.
Der Einbruch mußte früh gegen halb sechs Uhr geschehen sein, denn der Karren war schon aus dem Hof vor die Ladentür gezogen worden, und Frau Hockunder
trug, als sie gegen acht Uhr in ihrem Hinterzimmer gefunden wurde, Jacke und Kopftuch, sie war also im Begriff gewesen, zur Zentralmarkthalle zu
fahren.
Dem Dreher Haselbreck, wohnhaft im ersten Stock, war es, als er das Haus verlassen wollte, aufgefallen, daß die Tür des Hinterzimmers offenstand. Das
war so ungewöhnlich, daß er hineinsah und Frau Hockunder regungslos am Boden liegend fand. Er hielt sie für tot und alarmierte sofort das nahe
gelegene Volkspolizeirevier.
Das war alles, was man mir und meinen beiden Mitarbeitern als Tatsachenmaterial übergeben konnte. Es war mehr als dünn.
Ich durchsuchte noch einmal gründlich den Tatort. Aber ich fand nichts, es sei denn, man wolle eine halbvolle Zigarettenschachtel mit mehreren
prägnan.
Ich beauftragte Becker, die betreffenden Unterlagen einzusehen.
Mit Lorenz machte ich mich auf die Spur des unbekannten Mannes, der, wenn nicht alles täuschte, der Täter sein konnte. Das war ein ziemlich
aussichtsloses und vor allem zeitraubendes Beginnen. Wer aus der Nachbarschaft, fragten wir uns, konnte so früh am Morgen auf der Straße gewesen sein
und etwas bemerkt haben? Das Ereignis war natürlich zum Tagesgespräch geworden, und so meldeten sich drei weitere Zeugen. Zwei waren um sechs Uhr oder
etwas später am Ende der Straße einem Mann begegnet, der sehr schnell gegangen war. Ihre Personenbeschreibung war ebenso allgemein wie die des
Mitropa-Kellners; einen Schal hatten sie nicht bemerkt. Wohl aber der dritte Zeuge, ein Straßenfeger, der in der Querstraße seine Arbeit um fünf Uhr
begonnen hatte. An ihm war der Mann gegen halb sechs langsam vorbeigegangen. Die Aussage klang phantastisch: ,,Er hat seinen Schal seitwärts an den
Kopf gehalten, weil der ganz blutig war. Das habe ich deutlich gesehen, das Blut. Ich kann’s beschwören.” Ob er sich denn darüber keine Gedanken
gemacht habe?
„Nee; ich dachte, der is besoffen und is hingefallen, da hat er sich das weggeholt. So ‘ne ramponierten Nachtbummler sieht unsereins ja öfter.” Mit
der Personenbeschreibung haperte es. „Nich sehr groß, ‘ne Mütze hatte er auf, der Anzug war, wenn ick mir richtig erinnere, dunkelblau, nich mehr
neu.” Das half uns immerhin etwas weiter; wir konnten nun einen Mann suchen, der am Kopf eine verharschte
Wunde oder zumindest Schrammen aufwies, vielleicht sogar einen Verband trug. Lorenz mußte weiter in der Nachbarschaft herumhorchen. Becker erstattete
eine aufregende Meldung: Dieter Hockunder war zwei Tage zuvor aus der Strafanstalt entlassen worden. Nun besaßen wir sein Foto, seine Fingerabdrücke,
seine Personenbeschreibung (mit dem stets enttäuschenden Vermerk: „Besondere Kennzeichen - keine”) und seinen Lebenslauf einschließlich aller früheren
Straftaten. Dieter Hockunder wurde als verschlagen, rücksichtslos und arbeitsscheu charakterisiert, als wenig intelligent, aber gerissen. Er war in
mancherlei Gelegenheitsberufen tätig gewesen, unter anderem im Zirkus als Requisiteur, auf dem Rummelplatz in einer Glücksbude, als Losverkäufer, im
Film und in der Staatsoper als Komparse und kurze Zeit als Gußputzer. Oberleutnant Becker hatte auch schon ermittelt, wo er sich aufhielt: in Köpenick
bei einer früheren Geliebten, zehn Jahre älter als er, ihm blind ergeben, mit fragwürdigem Ruf. Wir konnten uns den jungen Mann also, wenn wir über
genügend Beweismaterial verfügten, jederzeit greifen.
Doch damit war es leider schlecht bestellt. Die Fingerabdrücke auf der Zigarettenschächtel stammten einwandfrei nicht von ihm; allerdings hatten wir
auch kaum erwartet, daß dieses außerhalb des Hauses aufgelesene Fundstück etwas mit der Sache zu tun habe. Seine Geliebte, von Lorenz geschickt
befragt, verschaffte Dieter überdies ein volles Alibi: Er hatte sich zur fraglichen Zeit bei ihr in der Wohnung aufgehalten. Das konnte natürlich eine
Lüge sein, war Ausspannen wollen. Aus Daffke. Er machte Witze über mein Gesicht. Da bin ich auf ihn los, und … und … da ist es eben passiert.”
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