This entry was posted on Tuesday, March 18th, 2008 at 11:37 am and is filed under Uncategorized. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.


Ich weiß nicht. Geschäftlich vermute ich. Er muß wohl solche Papiere haben.
Wir blickten einander nachdenklich an. „Jedenfalls”, sagte ich, „wird es zweckmäßig sein, Genosse Becker, wenn Sie sich noch mal genauer mit diesem
Brätsch-lin befassen. Und nun”, fuhr ich fort, „wollen wir den vermutlichen Rückweg der Täter verfolgen. Wenn hier abends der eine - und zwar war es
nun sonderbarerweise nicht der dicke, sondern der als lang und schlank geschilderte Angler - sein Fahrrad abgestellt hatte, ist anzunehmen, daß auch
das andere hinter der Weide lag, denn es wäre doch unklug gewesen, wenn der Mann, der Schmiere stand, nach der Tat über den Steg gefahren wäre, sich
drüben mit dem Täter vereinigt hätte und beide dann überflüssigerweise noch einmal durchs ganze Dorf geradelt wären. Auf diesem Ufer hingegen bestand
kaum Gefahr, gesehen zu werden - überall Ackerland, Feld und zu beiden Seiten des Pfads viele Büsche, nach rund hundertfünfzig Metern ein Wäldchen.”
Wir gingen langsam den Feldweg, eigentlich nur einen schmalen Trampelpfad, entlang, ich in der Mitte, Becker und Lorenz zu beiden Seiten auf der
Grasnarbe, wo sie jeden Busch, jeden größeren Placken Unkraut untersuchten. Ich forschte - bei dem trockenen, festen Lehmboden leider vergeblich -
nach Reifenspuren. Überdies konnten inzwischen andere Personen hier entlanggeradelt sein; es war sogar anzunehmen.
Kurz bevor wir das Wäldchen erreichten, rief uns Lorenz lebhaft winkend an ein Gebüsch, das sich inmitten hoher Schierling- und Brennesselstauden
erhob. Dort hinein hatten die Täter den Bilderrahmen geworfen. Aber wir fanden noch mehr, nämlich eine fabrikneue Multirolle neuester Konstruktion,
eine Köderdose aus Plast mit vertrocknetem Inhalt, einen zusammenlegbaren Kescher, eine dreiteilige Glasfiberrute, zwei Tütchen voller Reservehaken,
ein Döschen mit Bleikugeln und schließlich vier farbenprächtige Schwimmer verschiedener Art und Größe - ein bißchen viel Aufwand für eine Angelpartie
in einem Flüßchen wie der fischlosen Werret … „Sie haben die Tasche geleert, um das zusammengerollte Gemälde darin unterzubringen”, mutmaßte Lorenz.
Ich nickte. „Stellen wir die Fundstücke sicher.”
Wir kehrten nach Berlin zurück. Eine langweilige, leider notwendige Kleinarbeit begann. Wir teilten sie unter uns auf. Ich hatte Glück, denn schon im
sechsten Geschäft für Anglerbedarf -es war ein Privatlädchen für Jagd- und Fischfanggeräte - erinnerte sich der Inhaber deutlich an einen „älteren
Herrn, gut angezogen, sehr groß und schlank, Brillenträger”, der offenkundig keine Ahnung vom Angeln hatte und sich von ihm „eine komplette
Ausrüstung” einschließlich Leinentasche und Rutenhülle zusammenstellen ließ. „Nur vier bunte Schwimmer wählte sich der Kunde ganz unsachgemäß selbst
aus.”
Ich legte dem Zeugen unsere Fundstücke vor. Die Schwimmer identifizierte er sogleich mit Bestimmtheit, die anderen Stücke (schon in ihrer
Zusammenstellung) mit großer Wahrscheinlichkeit.
Daraufhin bestellten wir den Bildhauer Gerhard Brätschlin, der, wie Becker ermittelt hatte, schon seit Jahren ohne Atelier und erkennbare berufliche
Tätigkeit in einer eleganten Vierzimmerwohnung voller Skulpturen und Gemälde lebte, zu uns ins Präsidium.
Natürlich wollte er zunächst von nichts etwas wissen. Robert Folkmann? Gewiß, den habe er früher einmal gekannt, aber er erinnere sich kaum noch an
ihn. Ob er, Brätschlin, Angler sei? Er lächelte höflich und tat ein bißchen weltfremd. „Aber nein, meine Herren, wie sollte ich?” Doch in den hellen
Augen hinter der Brille war plötzlich ein gewisses Flirren, das ich im Kulminationspunkt schon so mancher Vernehmung hatte beobachten können. Da
drückte ich auf den Knopf der Schnarre. Brätschlins Körper versteifte, als ich zu unserer eintretenden Sekretärin sagte: „Den Zeugen, bitte.” Der
Inhaber des Sportgeschäfts, der sich draußen für die Konfrontation bereit gehalten hatte, kam herein.
Da war es mit Brätschlins Selbstbeherrschung vorbei. Er gab auf und gestand. Wenigstens teilweise. Der Plan stammte von seinem Partner. Der heiße
Viktor Donner. Ja, er sei klein und rundlich, im übrigen aber … der große Unbekannte. Wo er wohne, ob er überhaupt eine Wohnung in Berlin habe, das
wisse er, Brätschlin, nicht; er habe ihm lediglich dann und wann Ölgemälde und Aquarelle verkauft, völlig legal selbstverständlich, davon lebe er.
Gute Bilder,gewiß, aber keine besonders wertvollen. „Die könnte sich ja”, meinte Herr Brätschlin mit einer gewissen Herablassung, „in der DDR
ohnehin kein Privatmann leisten.” Vor etwa einem Monat habe ihm Donner zu verstehen gegeben, er kenne in München, wohin er öfter fahre …
„Einen Augenblick mal.
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