Manuela ging tanzen.


Seine Widerstandskraft war nur noch gering. Als ich mit Hausdurchsuchung drohte, führte er mich hin. Es lag, noch zusammengerollt im Anglerbeutel,

hinten in seinem Kleiderschrank. Donner, so erklärte Brätschlin nunmehr, wolle es erst abholen kommen, wenn er mit dem Geschäftsfreund in München

wegen des Preises einig geworden wäre. „Schriftlich?” Er zuckte die Achseln. „Ich weiß es nicht.”
Wir nahmen Brätschlin wegen Verdunklungsgefahr in Haft. Becker und Lorenz wurden unauffällig in seine Wohnung einquartiert. Sie lösten einander ab. In

der Garage stand immer noch der Volkswagen, seine Zulassungsnummer war, wie wir leicht feststellen konnten, gefälscht. Über Viktor Donner erfuhren wir

zusätzlich Interessantes: Nachdem er in der Bundesrepublik wegen Urkundenfälschung und Betrugs einige Jahre Haft hinter sich gebracht hatte, war

er bei uns schon zweimal wegen Diebstahls eingesperrt gewesen.
Am vierten Tag abends ging er in die Falle. Seine Verhaftung nahm er gelassen hin, er seufzte nur resignierend und griente dann frech. „Pech gehabt”,

sagte er und streckte Becker die Handgelenke entgegen.
Als er mir vorgeführt wurde, war es allerdings mit seiner ganovenhaften Unbekümmertheit vorbei. „Ich habe ihn nicht ermordet, nein, nein, nein!”

schrie er. „Das können Sie mir nicht anhängen!” Ruhig und leise antwortete ich ihm: „Herr Donner, Sie sind, was Polizei, Justiz und Strafvollzug

anlangt, ein erfahrener Mann. Abgesehen davon, daß Ihr Komplize bereits ein volles Geständnis abgelegt hat, wissen Sie, daß dies auch für Sie das

klügste ist. Wir sind, da es überdies noch weitere Zeugen und ein gerichtsmedizinisches Gutachten gibt, ohnehin über alles informiert. Wir möchten von

Ihnen nur die Bestätigung hören. Wollen Sie aufrichtig aussagen?” ,,Ja, ich will”, antwortete er entschlossen und begann zu erzählen. Bis zum Betreten

des Folkmannschen Hauses am Abend stimmte seine Darstellung mit allem überein, was wir schon ermittelt hatten. Er erzählte flott und formulierte

überraschend präzis, aber die Art, wie er das tat, war widerlich; mit falschem Biedermannston suchte er sich einschmeichelnd lieb Kind zu machen,

zwischendurch grinste er pfiffig und gab sich humorig, und unter allem verbarg sich Brutalität und die gelegentlich hervorbrechende Eitelkeit des

schmierigen Dummkopf s, der sich für klug hält und überzeugt ist, daß er lediglich „Pech gehabt” hat.
„Gegen halb zehn”, erzählte er, „öffnete mir Folk-mann, nachdem ich leise geklopft und gefragt hatte, ob ich vielleicht meine Brieftasche bei ihm

liegengelassen hätte. Er möchte die Störung entschuldigen, sagte ich. Er führte mich ins Zimmer. Hier ist sie, sagte er und gab sie mir. Der Brief

Brätschlins lag noch nebenan auf dem Tisch. Als ich auch den an mich nahm, wollte Folkmann etwas einwenden. Da ging ich auf die harte Tour. Finger

weg! knurrte ich ihn an und griff in meine Tasche. Darin hatte ich einen Strick und einen Lappen, um ihn zu fesseln und ihm den Mund zuzubinden. Er

wurde blaß und fing an zu zittern. Keinen Laut! sagte ich. Danach war ihm sowieso nicht zumute, er tat mir sogar ein bißchen leid. Aber es war auch

irgendwie komisch. Ich zog den Strick heraus. Als Folkmann das sah, gab er einen Laut von sich, als wolle er schreien und könne es nicht. Er ließ

seinen Kopf vornüber fallen, als möchte er es mir recht bequem machen mit dem Strick. Doch der war doch gar nicht dafür, sondern für die Hände. Ich

dachte zuerst: Er ist vor Angst ohnmächtig geworden. Aber er röchelte so ulkig. Da verlor ich die Nerven, das können Sie mir glauben! Ich warf ihm den

Strick wie ein Lasso über den Kopf und zog ihn mit einem Ruck zu.”
Donner zuckte die Achseln und grinste, als ob er ein kleines, etwas peinliches Versehen zu entschuldigen bitte.



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